Sommersonnenwendfeier am 20. Juni auf dem Anwesen NAHTZ in Eschede
Am 20. Juni fand auf dem Bauernhof des Joachim NAHTZ in Eschede zum wiederholten Mal eine Sommersonnenwendfeier der rechtsextremistischen Szene statt.
Als Veranstalter traten erneut die Kameradschaft 73 Celle, Snevern Jungs, Nationale Sozialisten SHG/OWL und die Frauengruppe Düütsche Deerns auf. Für die Organisation der Veranstaltung war maßgeblich der führende Aktivist der Kameradschaft 73 Celle, Dennis BÜHRIG, verantwortlich.
An der Veranstaltung, die bereits am Nachmittag begann, beteiigten sich insgesamt ca. 250 Rechtsextremisten. Die Mitglieder der verschiedenen Kameradschaften und anderer Gruppierungen sowie einzelne Freie Nationalisten reisten aus ganz Niedersachsen sowie aus Nordrhein-Westfalen (Regierungsbezirk Detmold), Schleswig-Holstein (Bad Segeberg), Bremen, Brandenburg (Perleberg), Mecklenburg-Vorpommern (Ludwigslust) und Sachsen-Anhalt (Salzwedel) an.
Die Veranstaltung begann mit einem Familienprogramm, u.a. mit sportlichen Wettkämpfen, zu denen die beiden Szenegeschäfte MaxH8 (Cremlingen) und Streetwear-Tostedt sowie die Bürgerinitiative für Zivilcourage Hildesheim nach Aussage der Veranstalter Preise beisteuerten. Zudem wurde an einem Stand des Gedenkbündnisses Bad Nenndorf für den am 1. August geplanten Gedenkmarsch in Bad Nenndorf geworben sowie durch die Verteilung von Flugblätern auf die am 4. Juli in Wolfsburg geplante Gründungs- und Eröffnungsfeier eines "KdF-Museums" hingewiesen.
Erst in den Abendstunden begann die eigentliche, einem festen Ritual unterliegende Sonnenwendfeier mit der Bildung eines Fackelkreises, dem Verlesen der Feuersprüche, dem Entzünden des Feuers und gemeinsamem Singen.
Die Bedeutung von Sonnenwendfeiern für die neonazistische Szene verdeutlicht ein bereits am Vortag über das von Rechtsextremisten genutzte Internet-Infoportal Altermedia veröffentlichen Video der Volksfront-Medien Niedersachsen. In diesem heißt es auszugsweise:
"Unsere Kultur und ihr Entstehen ist um vieles älter als dys uns gebrachte Alte Testament, welches uns im Zuge der Christianisierung diktiert wurde. Sie ist mit ihren entstandenen Bräuchen, Feiern und Traditionen ein wesentlicher Bestandteil unserer Weltanschauung und somit ein Produkt der Evolution unserer Art. ... Eine der wichtigsten unserer Kulturfeiern ist die Sonnenwende. ...
In Zeiten größter Not und Verfolgung stand das Sonnenwendfeuer auch für das Bekenntnis zu Volk und Vaterland. Am 7.6.1933 beschloss die NSDAP den astrologischen Termin der Sonnenwendfeier dann zum offiziellen Feiertermin. Von nun an charakterisierte die Sonnenwendfeier wie nichts anderes die Volksgemeinschaft der Deutschen. Es ist der Geist unserer Volksgemeinschaft, der uns alles ertragen und unser Volk stark sein lässt."
Für die Rechtsextremisten sind Sonnenwendfeiern den Zusammenhalt fördernde Großveranstaltungen; sie sollen die auf einer gemeinsamen Weltanschauung gegründete Identität untermauern sowie der Förderung des Selbstverständnisses einer "Schicksals- und Wertegemeinschaft" fördern.
Anmerkung:
Das Anwesen des inzwischen 74-jährigen NPD-Funktionärs Joachim NAHTZ wird seit Sommer 2007 regelmäßig von der neonazistischen Szene um die regional ansässige rechtsextremistische Kameradschaft 73 Celle genutzt. Zuvor fanden hier bereits von der NPD im kleineren Rahmen durchgeführte Sonnenwendfeiern und ein Pfingstlager der inzwischen verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) statt. Die in Niedersachsen innerhalb der neonazistischen Szene federführenden unter der Bezeichnung Nationale Sozialisten Niedersachsen agierenden Gruppierungen Kameradschaft 73 Celle, Snevern Jungs und Nationale Sozialisten SHG/OWL sowie die Frauengruppe Düütsche Deerns veranstalten dort regelmäßig Sommer- und Wintersonnenwendfeiern sowie Erntedankfeste.
Zu diesen Veranstaltungen, die bereits fester Bestandteil im Jahresterminkalender der Rechtsextremisten sind, finden sich seither mit steigender Tendenz zwischen 80 und 250 Angehörige der rechtsextremistischen Szene ein.
In diesem Jahr wurde bereits am 21. Februar auf dem Anwesen eine Gründungsveranstaltung der JN-Stützpunkte Lüneburg und Delmenhorst mit ca. 40 Teilnehmern sowie am 18. April eine Solidaritätsveranstaltung zugunsten der geplanten zentralen 1. Mai-Demonstration in Hannover mit ca. 70 Teilnehmern durchgeführt.
Der außerhalb von Eschede gelegene landwirtschaftliche Betrieb ist für die rechtsextremistische Szene wegen seiner abgeschiedenen Lage und der Nutzflächen attraktiv. Die steigende Anzahl und die Art der Veranstaltungen sowie deren Teilnehmerzahlen sprechen für eine angestrebte dauerhafte Nutzung des Geländes für rechtsextremistische Veranstaltungen entsprechender Größenordnungen.
Hinweise auf die Einrichtung eines Schulungszentrums für die neonazistische Szene auf dem Gelände liegen bisher nicht vor. Auch eine wegen des Verdachts eines Vergehens nach dem Waffengesetz am 19. März erfolgte Durchsuchung des Anwesens erbrachte keine diese Annahme stützenden Erkenntnisse.
