NPD-Protest in Hamburg-Winterhude gegen "Behördenwillkür"
Nachdem der Hamburger NPD die Sondernutzung für die Aufstellung von Infoständen im Bezirk Hamburg-Nord wegen gewaltsamer Übergriffe im letzten Jahr verwehrt worden war, meldete sie für den 27. Februar eine Protestkundgebung im Bezirk an. Die Versammlung verlief weitgehend störungsfrei; die Passanten am Winterhuder Marktplatz nahmen sie kaum zur Kenntnis. Zur Unterstützung der Hamburger Aktivisten waren die bekannten Neonazis Christian WORCH und Thomas WULFF vor Ort.
Etwa 35 Anhänger der NPD und sonstige Unterstützer versammelten sich vor dem Einkaufszentrum am Winterhuder Marktplatz, um "Gegen behördliche Repression - gleiches Recht für alle Parteien!" eine Kundgebung abzuhalten. Die Versammlung leitete der seit 2009 in Mecklenburg-Vorpommern lebende Christian WORCH, der sein Fahrzeug mit aufgebautem Megaphon zur Verfügung stellte. Ein weiterer Redner war Thomas WULFF, stellvertretender Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein und NPD-Bundesvorstandsmitglied. Aus den Reihen der Hamburger NPD ergriff der Anmelder der Kundgebung das Wort.
Die angebliche Behördenwillkür war nur am Rande ein Thema. Schnell wurde zu den Standardthemen der NPD von "Überfremdung", Hartz IV bis zum Afghanistan-Krieg übergeleitet. Neben der üblichen fremdenfeindlichen Agitation wurden vor allem die demokratischen Parteien angegriffen. So würden die "Versagerparteien der Bezirksversammlung Hamburg-Nord" versuchen, "die NPD im Bezirk mundtot zu machen." Es liege natürlich nicht im Interesse der "antideutschen Parteien", so die NPD in einer auf ihrer Internetseite veröffentlichten Stellungnahme zur Kundgebung, "dass alternative Lösungsansätze öffentlich artikuliert werden." Zu deutlich würde dann "die gegen unser Volk gerichtete Politik dieser Parteien" werden. Bei Passanten fanden die Parolen der NPD kein Gehör, zumal die Redebeiträge wegen der extrem schlechten Akustik nur im unmittelbaren Versammlungsbereich zu verstehen waren. Die kostenlos verteilten Parteizeitungen wurden kaum angenommen.
Die einstündige Versammlung verlief ohne nennenswerte Störungen. Geplante Aktionen gegen die NPD konnten nicht wie vorgesehen umgesetzt werden. Das "Hamburger Bündnis gegen Rechts" hatte zunächst zu einer "gewaltfreien Sitzblockade" für den Standort Fuhlsbüttler Straße/Ecke Hartzloh aufgerufen. Dort wollte die NPD ihre Kundgebung ursprünglich abhalten. Nach der Verlegung meldete die Partei DIE LINKE. kurzfristig eine Gegenkundgebung in der Nähe des Winterhuder Marktplatzes an. Bis zum Beginn der NPD-Kundgebung versammelten sich allerdings nur etwa 50 Meinungsgegner aus dem bürgerlichen sowie linksalternativen bis linksextremistischen Lager, die sich aufteilten und anfangs durch "Nazis raus!"-Rufe zu stören versuchten. Sie wurden von der Polizei auf Abstand gehalten. Selbstkritisch räumten sie ein, dass es nicht gelungen sei, einen "lautstarken antifaschistischen Protest vor Ort sichtbar zu machen." Die Polizei hätte die Gegenkundgebung "weit vom eigentlichen Geschehen, weder in Hör- noch in Sichtweite der Neonazi-Kundgebung" angesiedelt.
WORCH, der sich im letzten Jahr stark für die DVU engagiert hatte, ist ein ausgewiesener Gegner des NPD-Vorsitzenden Udo VOIGT und lehnt jede Zusammenarbeit mit der NPD unter dessen Führung auf Bundesebene ab. Bei den Hamburger NPD-Anhängern und Neonazis ist WORCH aufgrund seiner egozentrischen Art und seines Einsatzes für die DVU nicht unumstritten. Für die Kundgebung in Hamburg griff man jedoch gerne auf seine Kenntnisse und praktische Hilfe zurück (zur Rolle WORCHs: vgl. "Führende Hamburger Rechtsextremisten und die 'Volksfront'-Strategie").
Bemerkenswert ist, dass es erstmals seit Jahren wieder zu einer Zusammenarbeit von WORCH und WULFF in Hamburg gekommen ist. Beide haben viele Jahre in Hamburg zusammen politische Aktivitäten bestritten und bildeten bis zu ihrem Verbot 1995 die Führungsspitze der neonazistischen "Nationalen Liste" (NL). Danach trennten sich ihre Wege. Während WULFF seit 2004 in führender Funktion der NPD angehört, agierte WORCH vorrangig als Veranstalter und Organisator von Demonstrationen freier Kameradschaften und zuletzt als Unterstützer der DVU und ihres Vorsitzenden Matthias FAUST. Dass sich die Hamburger NPD auf auswärtige Hilfe angewiesen sieht, zeigt, dass es nach dem Tod des Landesvorsitzenden Jürgen RIEGER hier niemanden gibt, der seinen Platz ausfüllen könnte. Die Führungsriege des Landesverbandes hielt sich bei der Kundgebung völlig im Hintergrund.
