Intellektualisierungsbemühungen der rechtsextremistischen Szene
Obwohl der heutige Rechtsextremismus sich durchaus facettenreich und anpassungsfähig präsentiert, werden von der breiten Öffentlichkeit vor allem die verabscheuungswürdigen Taten rechtsextremistischer und rechtsextremistisch motivierter Gewalttäter wahrgenommen. Im Zuge der Berichterstattung hierüber treten häufig gerade die intellektuell schwächsten Rechtsextremisten in Erscheinung. Dies haben auch zahlreiche rechtsextremistische Zusammenschlüsse erkannt, die sich inzwischen nachdrücklich darum bemühen, sich der Öffentlichkeit als politische Kräfte mit intellektuellem Anspruch zu präsentieren. Deshalb stellt es eine Verharmlosung des Rechtsextremismus dar, Rechtsextremisten generell Ungebildetheit oder Unfähigkeit zu unterstellen.
Gleichwohl gilt, dass in den Bundesvorständen der extremistischen Parteien sowie in den parteieigenen und den parteiunabhängigen Verlagen und Vertrieben sicherlich mehr gebildete Rechtsextremisten anzutreffen sein dürften, als beispielsweise in einem Kreisvorstand einer Partei oder einer neonazistischen Kameradschaft.
Der Intellektuelle Rechtsextremismus ist bestrebt, die Trennlinie zwischen demokratischem und rechtsextremistischem Spektrum zu verwischen. Sich modern und moderat gebend, versuchen intellektuelle Rechtsextremisten, Anschluss an die Diskurse der Mitte der Gesellschaft zu finden, ohne dabei den Einfluss auf das rechte Lager als Ganzes zu verlieren. Hinter dem oftmals maßvollen Duktus verbergen sich häufig antidemokratische und fremdenfeindliche Konzepte. Im Gegensatz zu den meisten anderen Rechtsextremisten legt das intellektuell geprägte rechtsextremistische Spektrum sein Augenmerk nicht auf die Kurzlebigkeit des "Aktionsfeldes Straße", sondern strebt einen vergleichsweise langfristig angelegten politischen Klimawandel an. Dabei geht es insbesondere um die Wegbereitung für rechtsextremes Denken und Handeln. Verschiedene Gruppierungen richten dazu Leserkreise ein, geben Zeitungen und Zeitschriften heraus, gründen neue Verlage und bauen Schulungszentren auf. Verstärkt werden Kongresse, Tagungen und so genannte Akademien veranstaltet. Dabei umwerben intellektuelle Rechtsextremisten gezielt auch akademisch gebildetes Publikum und drängen vermehrt in öffentliche Ämter.