"Nationaldemokratische Partei Deutschlands" (NPD)
Mit der Übernahme des Parteivorsitzes durch Udo VOIGT 1996 und der Verkündung der "Säulen-Strategie" öffnete sich die Partei nicht nur gegenüber Neonazis, sondern gab parallel den Bemühungen der Gesamtpartei ein Konzept. Die Parteizeitung "Deutsche Stimme" gab anspruchsvollen Autoren und Themen mehr Raum. Jüngere Akademiker, die Ende der 90er Jahre zur NPD kamen, wuchsen über die "Deutsche Stimme" in die Partei hinein. Die Beschäftigung mit Themen der "Konservativen Revolution" der 20er und 30er Jahre macht deutlich, dass die Partei weiterhin Anschluss an und Einfluss auf die so genannte Neue Rechte sucht. Tatsächlich könnte man die NPD durchaus als Nachfolgerin jener Vertreter der "Konservativen Revolution" betrachten, die der nationalrevolutionären und völkischen Strömung zugerechnet wurden.
Der Einzug der NPD in den Landtag von Sachsen 2004 und Mecklenburg-Vorpommern 2006 gab den Intellektualisierungsbemühungen nur einen scheinbaren Schub. Einerseits war die Partei gezwungen, brauchbares Personal als Mitarbeiter der Landtagsfraktionen zu gewinnen, um die parlamentarische Arbeit zu bewältigen. Andererseits wurden den Landesverbänden dadurch genau jene Personen entzogen, die dort eine Intellektualisierung hätten vorantreiben und insofern als Gegengewicht zu den in die Partei eingetretenen Neonazis hätten dienen können.
Dieses Defizit versuchte die NPD durch ihr Konzept einer personellen Vernetzung auszugleichen. So sicherte der ehemalige Journalist und Lehrer Andreas MOLAU (Niedersachsen), der gleichzeitig Redakteur der Parteizeitung und Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion in Sachsen ist, als gleichzeitiger Vorsitzender der rechtsextremistischen "Gesellschaft für freie Publizistik" (GFP) der NPD den Einfluss auf eben diese Organisation. Auch das rechtsintellektuelle Strategieblatt "Nation & Europa" ist über seinen Redakteur Karl RICHTER mit der sächsischen Landtagsfraktion der NPD verbunden.
Hingegen konnte sich die NPD mit der von ihr initiierten und in Anspielung auf die Frankfurter Schule großspurig als "Dresdner Schule" bezeichneten Schaffung einer "Denkfabrik" bislang nicht etablieren.