Subkulturelle Erscheinungsformen im Rechtsextremismus

Der Rechtsextremismus stellt in der Bundesrepublik Deutschland kein einheitliches Gefüge dar. Neben dem organisationsgebundenen Rechtsextremismus (hierzu zählen zum Beispiel die rechtsextremistischen Parteien) werden im Jahr 2007 bundesweit etwa 10.000 Personen (2006: 10.400) der gewaltbereiten rechtsextremistischen Szene zugerechnet. Hierbei handelt es sich um Personen, die politisch motivierte Gewalt bereits ausgeübt haben oder die sich in Gruppen bewegen, die als gewaltgeneigt gelten und die Gewalt als probates Mittel zur Durchsetzung dessen betrachten, was sie als ihre "politischen Ziele" ansehen. Beweggründe dafür sind vor allem der in dieser Szene betriebene Männlichkeitskult und die Absicht, Stärke und Kampfgeist als Ausdruck einer geglaubten Überlegenheit der "weißen Rasse" zu demonstrieren. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt dabei der in der Gruppe konsumierte Alkohol, der oftmals dafür sorgt, dass sich die ohnehin stets zur Schau gestellte Aggressivität in zumeist spontanen Gewaltakten niederschlägt. Opfer sind regelmäßig alle als andersartig empfundenen, wie zum Beispiel Menschen anderer Hautfarbe, Homosexuelle oder Jugendliche des politisch konträren Spektrums. Subkulturell geprägte Rechtsextremisten sind über die reinen Gewalttaten hinaus auch für das Gros der übrigen rechtsextremistischen Straftaten verantwortlich.
Im Mittelpunkt des Handelns der subkulturellen rechtsextremistischen Szene steht oftmals die gemeinsame Freizeitgestaltung, zu der regelmäßig auch die Teilnahme an rechtsextremistischen Szenetreffen und Musikveranstaltungen gehört.
Das Weltbild solcher Rechtsextremisten ist diffus, ihr Lebensgefühl von fremdenfeindlichen, rassistischen, antisemitischen und gewaltbejahenden Einstellungen geprägt. Die meisten subkulturell geprägten Rechtsextremisten sind nicht fest organisiert. Ihre Personenzusammenschlüsse sind cliquenähnlich und intern kaum strukturiert; ihr Zusammenhalt ist also nicht von einer hierarchischen Struktur bestimmt, sondern durch persönliche Beziehungen der Gruppenmitglieder untereinander. Folgerichtig sind vereinsähnliche Strukturen nur selten vorzufinden. Ausnahme stellen die im Jahr 2000 vom Bundesminister des Innern verbotene "Division Deutschland" der Organisation "Blood & Honour" ("Blut & Ehre", Wahlspruch der Hitlerjugend) und ihre Jugendorganisation "White Youth" sowie die aus den USA stammende Gruppierung "Hammerskinheads" dar.

Bildeten früher rechtsextremistische Skinheads den weit überwiegenden Teil der subkulturellen rechtsextremistischen Szene, ist ihr Anteil innerhalb dieses Personenkreises inzwischen stark rückläufig. Erkennbar wird dieser Umstand vor allem durch das äußere Erscheinungsbild der Szene. Das gewohnte "Skinheadoutfit" wird mehr und mehr von Stilelementen des jugendlichen Maintreams, wie zum Beispiel durch das Tragen von modischer Kleidung bestimmter Marken oder von Piercings, sowie durch den Einfluss anderer subkultureller Strömungen verdrängt. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch ein zunehmender "Germanenkult". Häufig erschließt sich der aktuelle Dress-Code der Szene nur "Eingeweihten".